Klinik für Kardiologie

Das Team von Prof. Dr. Ernst G. Vester bietet sämtliche thera­peutische Maß­nahmen an den Herz­kranz­gefäßen sowie an Gefäße außerhalb des Herzens. Zudem behandeln die Experten Herz­rhythmus­störungen und imple­mentieren modernste Herz­schritt­macher und Defi­brillatoren.

Schwerpunkte

Interventionelle Kardiologie

Diagnose

Herzkatheter-Untersuchung

Die Herzkatheter-Untersuchung ist ein minimal-invasives Diagnoseverfahren zur Untersuchung von krankhaften Veränderungen der Herzkranzgefäße, der Herzklappen, des Herzmuskels und der Herzanlage.

Bei der Herzkatheter-Untersuchung führen wir einen dünnen Kunststoffschlauch, den sogenannten Herzkatheter, über Venen oder Arterien der Leiste, der Ellenbogen oder des Handgelenks ein und schieben ihn bis zum Herzen vor. Dabei steuern wir mit dem Herzkatheter je nach Untersuchungsziel unterschiedliche Stellen im Herzen oder den Herzkranzgefäßen an.

Formen der Herzkatheter-Untersuchung

Mit der Linksherzkatheter- und der Rechtsherzkatheter-Untersuchung unterscheiden wir zwei Formen der Herzkatheter-Untersuchung.

Mit der Linksherzkatheter-Untersuchung, die auch als großer Katheter oder „Linksherzkatheter“ bezeichnet wird, untersuchen und messen wir den Druck in der linken Herzkammer und den Herzkranzgefäßen. Sie wird meist in Kombination mit einer sogenannten Koronarangiographie durchgeführt, bei der die Herzkranzgefäße mittels Röntgen-Kontrastmittel auf einem Röntgen-Bildschirm sichtbar gemacht werden.

Mit der Rechtsherzkatheter-Untersuchung, die auch als „kleiner Katheter“ oder „Rechtsherzkatheter“ bezeichnet wird, messen wir den Druck in der rechten Herzkammer und in den Lungenschlagadern sowie über Sauerstoffmessungen im Blut das Herzminutenvolumen.

Rechtsherzkatheter-Untersuchung

Bestimmte Erkrankungen der Lunge oder des Herzens führen zu einer Erhöhung des Blutdrucks in den Lungenarterien. Die Messung dieser sogenannten Pulmonal-Arteriellen Blutdruckerhöhung („PAH“) kann von außen – etwa durch eine Herzultraschalluntersuchung – schwierig sein. Häufig reicht eine Echokardiografie (Herzultraschalluntersuchung) zwar aus, nicht selten müssen wir aber zur Diagnosesicherung und in Hinblick auf spezielle Fragestellungen, eine Rechtsherzkatheter-Untersuchung durchführen. Wir können so sichergehen, dass eine relevante „PAH“ vorliegt. Erst dann ordnen wir eine medikamentöse, zumeist sehr kostspielige Therapie an.

Hierbei punktieren wir unter Lokalanästhesie eine Vene in der rechten oder in der linken Leiste und schieben einen kleinen Katheter bis in die Pulmonalarterie vor. Nun können wir die Blutdruckwerte in den Lungengefäßen sowie im Bereich der rechten Herzkammer und des rechten Vorhofes exakt messen. Zusätzlich können wir auch Blutproben zur Bestimmung des Sauerstoffgehaltes im Blut entnehmen, die Rückschlüsse auf die Herzauswurfleistung und bestimmte Fehlbildungen mit Kurzschlüssen zwischen den Herzhöhlen (sogenannte „Shunts“) zulassen.

Wir punktieren die Leistenarterien und alle anderen möglichen Arterien wie z.B. die Armarterien grundsätzlich nach Verabreichung eines stark und schnell wirkenden Lokalanästhetikums. Die Punktion der Leiste und die anschließende Untersuchung verläuft schmerzfrei. Für die Untersuchung benötigen wir bei reiner Diagnostik ca. 15 bis 30 Minuten und bei nachfolgender therapeutischer Prozedur mit Ballonerweiterung und Stentimplantation bis zu eine Stunde.

Koronarangiographie

Die Koronarangiographie ist nach wie vor die genaueste Methode zum Nachweis von Veränderungen der Herzkranzgefäße. Hierzu bringen wir einen dünnen Katheter (in der Regel 1,6 mm im Durchmesser) in eine Arterie (Schlagader) ein, über die wir den Katheter dann zum Herzen führen.

Am häufigsten wird die Beinschlagader im Bereich der Leistengegend rechts oder links oder die Unteramschlagader (Arteria radialis) am rechten oder am linken Handgelenk verwendet. Gelegentlich wird auch die Armschlagader in der Ellenbeuge benutzt. Bevorzugt wird in der Regel die dem Untersucher zugewandte, rechte Seite.  Welchen Gefäßzugang wir wählen, hängt vom Gefäßzustand, von der Art der Erkrankung und von den Präferenzen und Erfahrungen unserer Kardiologen ab.

Seit Gründung unserer Klinik für Kardiologie im Jahre 2000 besteht ein besonderer Schwerpunkt unserer Abteilung in der Durchführung von Koronarangiographien und Koronarinterventionen in der patientenfreundlichen „Radialis-Technik“: Hierbei führen wir die Katheterschleuse in die kleine Unterarmarterie ein, von wo aus wir die gesamte Katheterisierung des Herzens und auch Stentimplantationen durchführen können. Diese Technik ermöglicht es unseren Patienten, sofort nach der Untersuchung aufzustehen, herumzulaufen und auf die Toilette zu gehen, da nur ein kleiner Druckverband am Handgelenk angelegt wird, die Leiste dagegen frei bleibt.

Die sogenannten Herzkatheter sind 100 cm lange, sehr dünne Kunststoffschläuche, die wir unter Röntgendurchleuchtung zu den Abgängen der Herzkranzgefäße aus der Aorta (Körperschlagader) vorführen. Unsere Kardiologen füllen über diese Katheter die Herzkranzgefäße mit Röntgenkontrastmittel und machen durch gleichzeitige Röntgendurchleuchtung die Veränderungen an den Herzkranzgefäßen auf dem Röntgenschirm sichtbar. Gleichzeitig können wir die Veränderungen und Prozeduren auf Video aufzeichnen und abspeichern.

Die Untersuchung nehmen wir mit speziell für diesen Zweck gefertigten vorgeformten Kathetern vor, die sich für die beiden Herzkranzgefäße (linkes und rechtes Herzkranzgefäß) unterscheiden und daher während der Untersuchung gewechselt werden. Uns stehen außerdem zahlreiche Sonderformen zur Verfügung, da sich letztlich die Anatomien aller Menschen voneinander unterscheiden und beträchtliche Normvarianten auftreten können.

Für eine genaue Beurteilung der Koronargefäßsituation, müssen wir jedes Herzkranzgefäß aus verschiedenen Blickrichtungen durchleuchten, um keine Verengungen zu übersehen. Zusätzlich erfolgt meist noch eine Kontrastmittel-Darstellung der linken Herzkammer durch einen speziellen Katheter. Für die Koronar-Darstellung in verschiedenen Projektionen werden in der Regel weniger als 100 ml Kontrastmittel verwendet. Bei besonderen Fragestellungen können wir auch die gesamte Aorta (Körperschlagader), die Hirn- und Nierengefäße sowie die Beinarterien darstellen. Bei der Darstellung der linken Hauptkammer injizieren wir 30 bis 40 ml Kontrastmittel über den Herzkatheter in die linke Herzkammer, was zu einem vorrübergehenden harmlosen Wärmegefühl im gesamten Körper führt.

Mit der Herzkatheter-Untersuchung können wir neben der Anatomie der Herzkranzarterien auch weitere wichtige Erkenntnisse über Ihr Herz gewinnen: Wir können die Größe der Herzkammern, die Pumpleistung des Herzens sowie die Funktionstüchtigkeit der Herzkappen überprüfen. Auch Störungen der Pumpfunktion können wir so genau lokalisieren. Wenn diese Informationen vorliegen, können wir in der Regel unmittelbar entscheiden, welches Vorgehen in Ihrem Fall sinnvoll ist.

Das erfreulichste Ergebnis ist ein Normalbefund, der keine weiteren Konsequenzen nach sich zieht. Im Falle einer koronaren Herzkrankheit — je nach Ausprägung der Verengungen an den Herzkranzgefäßen — können verschiedene Maßnahmen sinnvoll sein.

Besondere diagnostische Verfahren

Intrakoronare Druckmessung (Druckdraht-Messung, FFR)

In manchen Fällen ist die Untersuchung mittels Koronarangiographie für eine exakte Diagnose nicht ausreichend. Wir betrachten einen Verengungs-Grad (Stenose-Grad) der betroffenen Koronararterie von mehr als 75 Prozent als signifikant. In der Regel führen wir dann eine Behandlung mittels PTCA mit oder ohne Stentimplantation durch. Verengungen die weniger ausgeprägt sind (ein Stenose-Grad von 70 Prozent oder weniger) und somit harmlos erscheinen, können dennoch die Versorgung des Herzmuskels mit Blut und Sauerstoff beeinträchtigen. Eventuell zeigt sich dies erst unter Belastungsbedingungen.

Umgekehrt kommt es vor, dass koronarangiographisch bedeutsam erscheinende Engstellen (Stenosen) keine relevanten Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels haben. Die Folge kann sein, dass eine nicht bedrohliche Verengung quasi umsonst behandelt wird und der Patient damit unnötigen Risiken ausgesetzt wird. Um ein solches Risiko zu vermeiden, führen wir in solchen Situationen, in denen die Bedeutung einer Stenose unklar ist, eine sogenannte „intrakoronare Druckmessung“ durch. Mit der Messung bestimmen wir die sogenannte „FFR“ (Fraktionelle Fluss-Reserve).

FFR ist eine Kennzahl, die uns sehr genau angibt, in welchem Maße eine Verengung den Blutfluss in dem untersuchten Gefäß einschränkt. Hierzu wird der Druck bzw. Fluss in dem Koronargefäß vor und hinter der Stenose mittels eines speziellen Druckdrahtes unter Ruhebedingungen und unter medikamentöser Gefäßerweiterung gemessen. Der gemessene Quotient, mit „FFR“ bezeichnet, zeigt uns an, ob der Herzmuskel entlang des verengten Gefäßes noch ausreichend mit Sauerstoff und Blutnährstoffen versorgt wird oder nicht.

Zeigt die FFR-Messung in dem betroffenen Gefäß eine so hochgradige Verengung, dass der Blutfluss bedeutsam behindert wird, sollte die Engstelle mittels PTCA und Stentimplantation beseitigt werden. Ist die Verengung in dem Gefäß hingegen auf Grund der FFR-Werte unbedeutend und der Blutfluss auch unter Belastung nicht behindert, ist eine interventionelle Behandlung des verengten Gefäßabschnitts nicht erforderlich.

Sowohl die intrakoronare Druckmessung als auch die Bestimmung der koronaren Flussreserve können wir mit geringem zeitlichen Aufwand (10 bis 15 Min.) in unserem Katheter-Labor durchführen.

Wie wird die koronare Flussreserve bestimmt?
Um die koronare Flussreserve zu bestimmen, legen wir, wie bei einer koronaren Gefäßintervention, einen Führungskatheter in die betroffene Koronararterie ein. Dann führen wir einen dünnen Draht mit einem Druckmodul an der Spitze über den verengten Gefäßabschnitt in die Koronararterie ein. Anschließend messen wir parallel den Druck am Gefäßeingang und in der Gefäßperipherie. Der Druckgradient entspricht quasi 1:1 den Flussverhältnissen und wird als FFR bezeichnet (= fraktionelle Flussreserve).

Nach intrakoronarer Gabe von Adenosin, was zu einer Gefäßerweiterung und vermehrter Durchblutung führt, messen wir den Wert erneut. Bei bedeutsamer Verengung wird der Gradient und damit der FFR-Wert signifikant abfallen, bei nicht oder nur unwesentlich gestörter Durchblutung dagegen nicht oder nur geringfügig.

Auf dies Weise werden bedeutende von unbedeutenden Stenosen unterschieden. Der Unterschied ist durch mehrere klinische Studien abgesichert. Ist die Stenose relevant, können wir sofort eine Gefäßintervention mittels Ballonangioplastie und Stentimplantation anschließen. Ist die Stenose nicht relevant, gilt die Untersuchung als beendet.

Welche Patienten kommen für eine FFR-Messung in Betracht?
Eine FFR-Messung führen wir bei Patienten mit Koronarstenosen (Gefäßverengungen) durch, bei denen die Bedeutung für die Durchblutung des Herzmuskels unklar ist. Kardiologen sprechen auch von grenzwertiger bzw. unklarer hämodynamischer Relevanz.

Koronare Mikroangiopathie
Bei manchen Patienten, vor allem Patienten mit hohem Blutdruck, können wir trotz typischer Symptome weder Wandveränderungen oder plaquebedingte Ablagerungen noch fixierte Koronarstenosen im Koronarangiogramm nachweisen. In solchen Situationen kann eine sogenannte koronare Mikroangiopathie (Erkrankung der kleinsten Herzkranzgefäße) vorliegen.

Typische Herzkatheter-Befunde, die Hinweise auf eine koronare Mikroangiopathie geben können, sind die vermehrte periphere Gefäßschlängelung und die Zunahme der Muskelmasse der linken Herzkammer. Beweisen kann man die Beeinträchtigung der Durchblutung des Herzmuskels auf der Ebene der kleinsten Gefäße jedoch nur durch die Bestimmung der koronaren Flussreserve. Dies gelingt uns durch die kathetergestützte intrakoronare Druckmessung (Druckdraht-Messung, FFR).

Intravaskulärer Ultraschall

Mit dem intravaskulären Ultraschall können wir den Gefäß-Hohlraum bzw. Gefäßdurchmesser darstellen und ausmessen. Dabei können wir auch die Struktur der Gefäßwand und die Art der Ablagerung (sogenannter Plaques) beurteilen. So können wir zum Beispiel zwischen harter, verkalkter und weicher Plaque unterscheiden. Den Grad der Verengung durch die Ablagerung können wir exakt quantitativ angeben und so unklare Verhältnisse am Abgang der linken Koronararterie aus der Aorta am sogenannten Hauptstamm sicher beurteilen.

Wir setzen den Intravaskulären Ultraschall bei Koronarinterventionen ein, um zu entscheiden, welches interventionelle Verfahren angewandt werden soll. Je nach Diagnose kommen verschiedene therapeutische Verfahren zum Einsatz: Bei Verkalkungen setzen wir Rotablation ein, bei Stenosen im Hauptstamm führen wir eine Stentimplantation oder Bypass-Operation durch, bei Grenzbefunden entscheiden wir zwischen Intervention und konservativer Therapie. Außerdem beurteilen wir mit diesem diagnostischen Verfahren den Therapieerfolg nach PTCA oder Stentimplantation. Das gilt vor allem für die neuen, sich selbst auflösenden Koronarstents, die sogenannten Scaffolds.

Endomyokardbiopsie

Die Endomyokardbiopsie ist ein diagnostisches Verfahren mit dem wir zwischen strukturellen Herzerkrankungen, z.B. Herzmuskelentzündung oder Speichererkrankung, unterscheiden können. Dazu entnehmen wir über einen venösen Zugang kleine Gewebeproben von der Innenseite des Herzmuskels (Myokard).

In der Regel erfolgt die Biopsie-Entnahme im Rahmen einer Rechtsherzkatheter-Untersuchung. Wir schieben dazu eine lange Schleuse von der Leistenvene in den rechten Ventrikel vor. Mittels einer feinen Zange entnehmen wir insgesamt fünf bis sechs Gewebestücke aus zwei verschiedenen Orten (spitzennahes und mittleres Septum der rechten Herzkammer) und füllen sie in vorbereitete Minibehälter. Anschließend verschicken wir die Proben zur Analyse in spezielle Pathologie-Institute.
Unsere Patienten sind während der Entnahme wach. Die Untersuchung dauert 15 Minuten und ist schmerzfrei.

Therapie

Interventionelle Behandlung mit einem Ballonkatheter mit oder ohne Stentimplantation

Falls die bei uns oder auswärts durchgeführte Herzkatheter-Untersuchung eine umschriebene Verengung an einem größeren Herzkranzgefäß gezeigt hat, behandeln wir in der Regel die Aufweitung des verengten Gefäßes mit Hilfe eines Ballonkatheters. Das therapeutische Verfahren wird abgekürzt auch als PTCA (Perkutane Transluminale Coronare Angioplastie) oder PCI (Perkutane Coronar Intervention) bezeichnet.
Mit dieser Methode können wir verengte Herzkranzgefäße (Koronararterien) erweitern. Sie wird auch koronare Ballonangioplastie oder Ballondilatation genannt.

Bei einer Herzkatheter-Untersuchung in unserem Labor schließen wir die Ballonangioplastie in der Regel direkt an die diagnostische Untersuchung an.

Im Unterschied zur Diagnostik sind bei der therapeutischen Anwendung in der Regel geringfügig dickere Herzkatheter notwendig, über die wir dann dünne Drähte, Ballonkatheter oder auf Ballonkatheter montierte Gefäßstützen (sogenannte Stents) in die Herzkranzgefäße einführen.

Diese Stents sind kleine röhrenförmige Gitter, die wie feine geschliffen Lockenwickler aussehen und meist aus Legierungen (z.B. Cobalt oder Chrom) bestehen, die den gedehnten (dilatierten) Gefäßabschnitt offenhalten sollen. Sie werden heute bei der Mehrzahl der Ballonangioplastien verwendet, da sich deren Einsetzen gegenüber der reinen Ballonangioplastie als sicherer und langfristig erfolgreicher erwiesen hat. Das gilt sowohl für den Eingriff selbst als auch für das langfristige Ergebnis. In Einzelfällen, z.B. bei sehr kleinen Gefäßen oder Veränderungen innerhalb eines bereits früher eingesetzten Stents, kann jedoch eine alleinige Ballonerweiterung das sinnvollere Verfahren sein.

Wir verwenden auch „drug-eluting“ Stents, die mit einem speziellen Medikament beschichtet sind, welches die Zellteilung des umgebenden Gewebes hemmt und damit die Wiederverengung von eingesetzten Stents infolge von Gewebewucherungen verhindern soll. Diese Wiederverengung, die sogenannte „In-Stent-Restenose, ISR“, ist die „Achillesferse“ in der Behandlung von Verengungen der Herzkranzgefäße mit Ballonkathetern oder Stents.

Abhängig vom Gefäßdurchmesser, der Länge der Verengung und der individuellen Patienten-Risiken tritt eine „In-Stent-Restenose“ nach Implantation von Edelstahlstents mit einer Häufigkeit von etwa 15 bis 50% auf. Bei Verwendung von „drug-eluting“ Stents wird dagegen eine Wiederverengung innerhalb des Stents bei deutlich unter 10% der Patienten beobachtet.

Nach der Stentimplantation muss über einem längeren Zeitraum eine medikamentöse Behandlung mit sogenannten Plättchenhemmern erfolgen, damit sich der Stent nicht durch Thromben (Blutgerinnsel) zusetzen kann.

Bei der Auswahl des Stents und der Dauer der notwendigen Medikation orientieren wir uns an den aktuellen Behandlungsleitlinien. Entscheidend sind u.a. die Beschaffenheit der Gefäßwandveränderungen sowie eventuell vorliegende Begleiterkrankungen. Gerne beantworten wir Ihnen weitere Fragen in einem ausführlichen Aufklärungsgespräch.

Operative Verbesserung der Herz-Durchblutung durch Anlage von Bypässen
Wenn mehrere komplexe Verengungen oder Verschlüsse an drei Herzkranzarterien gleichzeitig vorliegen, raten wir Ihnen eher zu einer Bypass-Operation als zur einer PTCA mit Stentimplantation. Klinische Studien zeigen, dass die Ergebnisse der Bypass-Operation langfristig besser sind.

Medikamentöse Therapie — ohne Notwendigkeit für eine Ballonaufweitung oder Bypass-Operation
Diese Vorgehensweise wählen wir meist nur bei gering oder mäßig ausgeprägten Verengungen an den Herzkranzgefäßen aus. Das Ziel ist dann eine weitere Verschlechterung der Arteriosklerose (umgangssprachlich auch Arterienverkalkung) zu verhindern. Neben der medikamentösen Behandlung ist hier vor allem eine Veränderung der Lebensführung entscheidend.

Besondere therapeutische Verfahren

Rotablation

Die so genannte „Rotablation“ (Rotation = Umdrehung, Ablation = Abtragung) setzen wir neben der herkömmlichen Ballonaufdehnung und der Stentimplantation zur Behandlung von speziellen Herzkranzgefäßverengungen ein.

Das Verfahren wenden wir bei sehr harten und verkalkten Engstellen der Herzkranzgefäße an. Sehr harte Ablagerungen führen dazu, dass die Engstellen nicht mittels eines Ballons passierbar und aufdehnbar sind, bzw. konventionelle Ballons an solchen Engstellen durch die Verkalkungen bzw. in das Gefäßlumen hineinragende Kalksporne platzen.

Die Abtragung solcher Verkalkungen erfolgt durch Hochfrequenzumdrehung (bis 180.000/min) eines mit feinen Diamantsplittern besetzten Bohrkopfes (Durchmesser von 1,25 bis 2,5 mm). Zunächst legen wir einen sehr dünnen Draht in die Herzkranzarterie ein. Über diese Leitschiene bringen wir den Bohrkopf vor der Engstelle in Position. Dann schleifen wir die Engstelle durch langsames und vorsichtiges Vorführen des sich drehenden Bohrkopfes ab. Dabei entsteht ein nach außen hörbares Geräusch, das an einen Zahnarztbohrer erinnert.

Üblicherweise nehmen wir kurze „Bohrungen“ für ca. jeweils 15-20 Sekunden vor. Seine Kraft übt der Bohrkopf dabei nur auf hartes Gewebe (kalzifizierte Cholesterinablagerungen) aus. Es besteht somit keine Verletzungsgefahr für gesunde, weiche Gefäßabschnitte. Nach der Rotablation haben wir die verkalkte Engstelle in der Regel soweit abgetragen, dass eine weitere Aufdehnung mit einem Ballonkatheter und im Anschluss eine Stentimplantation erfolgen kann.

Die Anwendung ist technisch aufwändig und wird in der Regel von zwei Ärzten durchgeführt, sie kann aber am wachen Patienten vorgenommen werden. In unserer Klinik führen wir die Eingriffe immer mit demselben, sehr erfahrenen Team durch, so dass maximale Sicherheit und eine optimale Vorbereitung, Durchführung und Nachsorge gewährleistet sind.

Wiedereröffnung von chronisch total verschlossenen Herzkranzgefäßen (CTO)

Die Wiedereröffnung (Rekanalisation) chronisch verschlossener Koronararterien (Chronic total occlusion = CTO) mit einer Verschlussdauer von mindestens drei Monaten stellt hohe Anforderungen an unsere interventionellen Kardiologen. Moderne Koronardraht- und Katheter-Technik macht heutzutage auch die Rekanalisation von CTOs bei ungünstigen Verschlussmorphologien möglich. In unserer Klinik setzen wir diese Technik seit vielen Jahren regelmäßig ein.

Die Rekanalisation von zuvor chronisch verschlossenen Herzkranzgefäßen mit anschließender Stentversorgung führt bei einem Großteil der Patienten sowohl zu einer deutlichen verbesserten Leistungsfähigkeit als auch zu einer nachweislich verbesserten Herzfunktion. Die aktuellen Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) zur operativen Verbesserung der Blutversorgung des Herzmuskels bei Koronarinsuffizienz (Myokardrevaskularisation), empfehlen eine CTO-Rekanalisation bei bestimmten Symptomen.

Dies können eine Angina pectoris, Belastungsdyspnoe oder allgemeinen Leistungsschwäche sein. Voraussetzung ist, dass vitales Herzmuskelgewebe im Versorgungsgebiet der verschlossenen Koronararterien zu finden ist. Der Nachweis erfolgt durch Szintigrafie oder Magnetresonanztomographie.

Transkoronare Ablation der Septumhypertrophie (TASH)

Bei der hypertroph-obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM) handelt es sich um eine asymmetrische, krankhafte Verdickung der Herzmuskulatur der Herzscheidewand.

Diese Herzmuskelverdickung führt zu einer Blutdruckerhöhung im linksventrikulären Cavum und einem entsprechenden Druckabfall hinter der Muskelverdickung. Die während der Austreibungsphase auftretende Abschnürung behindert den Ausstrom des Blutes aus dem Herzen und kann klinisch zu „Brustenge“, Luftnot unter Belastung und in einigen Fällen auch Ohnmachtsanfällen (Synkopen) führen.

Therapeutisches Ziel ist es, diese Ausflussbehinderung — bedingt durch den Muskelwulst — zu beseitigen. Bis noch vor etwa 20 Jahren konnte die schwere HOCM nur mit einer Herzoperation behandelt werden. Heute können wir vielen unserer Patienten auch ohne Herzoperation helfen.

In einem ersten Schritt stellen wir die Herzkranzgefäße in einer vorangehenden Herzkatheter-Untersuchung dar. Bei der Intervention wählen wir dann eine Herzkranzarterie, die den Bereich des Herzens mit der Herzmuskelverdickung versorgt. Es handelt sich dabei um sogenannte Septal-Äste, die in den pathologisch verdickten Muskelwulst hineinlaufen. In einen dieser Äste injizieren wir dann Alkohol (100% Ethanol) und erzeugen somit einen künstlichen Infarkt im Bereich der Herzmuskelverdickung.

Der Druckgradient zwischen Ventrikelspitze und Aorta fällt sofort ab. Das Gewebe stirbt an dieser Stelle ab, die Muskelverdickung bildet sich zurück und der Blutauswurf aus der linken Herzkammer ist nicht länger behindert. Die gesunde Herzmuskulatur bleibt bei diesem Eingriff geschont.

Nach dem Eingriff überwachen wir den Herzschlag mehrere Tage, da es bei einem Teil der behandelten Patienten zu einer Verlangsamung des Herzschlags kommen kann (Bradykardie, AV-Block 1. — 3. Grades). Meist ist dies nur vorübergehend der Fall. Die Verlangsamung kann jedoch auch auf Dauer bestehen bleiben und muss dann mit einem Herzschrittmacher versorgt werden (Häufigkeit etwa 5% bis 10%).