Klinik für Kardiologie

Mit Leidenschaft und Kompetenz für innovative Medizin: Unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Meyer engagiert sich das Team der Klinik für Ihr Herz.

Schwerpunkte

Neurokardiologie

Im EVK Düsseldorf bieten wir eine spezialisierte Diagnostik und Therapie im Bereich der Neurokardiologie an – der Schnittstelle zwischen Herz und Nervensystem.

Das vegetative Nervensystem steuert zentrale Funktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck und Kreislauf. Eine Fehlregulation kann zu Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel, Ohnmacht (Synkope) oder Leistungsminderung führen. Vor diesem Hintergrund hat das Feld der Neurokardiologie in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen.


Bei welchen Erkrankungen spielt die Neurokardiologie eine Rolle?

  • Kreislaufdysregulation, z.B. bei Ohnmachtsanfällen / Synkopen
  • Herzschwäche
  • Koronare Herzkrankheit / Mikrozirkulationsstörung / Vasospasmus
  • Herzrhythmusstörungen
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Adipositas / metabolisches Syndrom


Unsere Klinik verfügt über langjährige Expertise in der Beurteilung des vegetativen Nervensystems – von der strukturierten Gesprächsführung über Funktionstests bis hin zu interventionellen Verfahren.

Schlaganfallprävention – Wenn das Herz das Gehirn krank macht

Schlaganfälle entstehen häufig durch Blutgerinnsel, die Gefäße im Gehirn verstopfen. Besonders Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmusstörung, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, doch auch angeborene Herzveränderungen wie ein offenes Foramen ovale (PFO) oder ein Vorhofseptumdefekt (ASD) können eine Rolle spielen.

Die zentrale Maßnahme zur Schlaganfallprävention ist in der Regel eine individuell angepasste Blutverdünnung (orale Antikoagulation). Falls eine Blutverdünnung nicht vertragen wird, beispielsweise bei relevanten Blutungen, erhöhter Sturzneigung oder wiederholten Ohnmachtsanfällen, stehen katheterbasierte Alternativen zur Verfügung. Dabei wird das linke Vorhofohr (LAA), der häufigste Entstehungsort von Blutgerinnseln bei Vorhofflimmern, mit einem Schirm verschlossen (LAA-Occluder). Eine präzise, bildgestützte Planung mittels Herzultraschall über die Speiseröhre oder Herz-CT ist hierfür entscheidend, um eine optimale Anpassung an die individuelle Anatomie zu gewährleisten (Abbildung 1). Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv über die Leiste und stellt eine effektive Alternative zur medikamentösen Therapie dar.

Bild von einem Herz-CT
Abb 1: Bildgebung mittels eines sogenannten Schluckultraschalls vor (links) und nach (rechts) LAA-Occluder-Implantation, durch welche die exakte Positionierung des „Schirmchens“ dargestellt werden kann.
Video: Schluckultraschall
Autonome Syndrome – Wenn das Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerät

Autonome Syndrome entstehen durch eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems (Abbildung 2+3). Während der Sympathikus in Stress- und Notfallsituationen aktiviert wird, resultiert der Parasympathikus in Entspannung und Regeneration. Das Zusammenspiel der beiden Systeme ermöglicht bei Gesunden eine schnelle Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche körperliche und mentale Anforderungen. Gerät dieses Gleichgewicht in eine Schieflage, können zahlreiche gesundheitliche Beeinträchtigungen entstehen oder sich verschlimmern.

Typische Beschwerden sind:

  • Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen (durch zu niedrigen Blutdruck)
  • Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Verdauungsprobleme
  • Schweißstörungen
  • Probleme mit der Blase oder dem Kreislauf

Zu den häufigsten Erkrankungen zählen:

  • Posturales Tachykardie-Syndrom (POTS)
  • Orthostatische Hypotonie
  • Diabetische autonome Neuropathie

Die Behandlung erfolgt individuell und interdisziplinär und umfasst die Therapie der Grunderkrankung, medikamentöse Maßnahmen sowie Anpassungen des Lebensstils.

Graphik mit mehreren frabigen Kreisen, die ineinander fließen.
Abbildung 2: Einteilung der autonomen Syndrome aus dem Jahr 2010 Angepasst an: Meyer et al., 2010.
Graphik mit mehreren schwarzen Kreisen, die ineinander fließen.
Abbildung 3: Einteilung der autonomen Syndrome aus dem Jahr 2025, welche die steigende Anzahl der Erkrankungen, die die Steuerung des Herz-Kreislauf-Systems durch das autonome Nervensystem betreffen, sowie das zunehmende Verständnis während der vergangenen 2 Jahrzehnte widerspiegelt. Angepasst aus: Kahle AK, Scherschel K, Alken FA, Meyer C. In: Syncope: From Etiopathogenesis to New Therapeutic Options (Edited by Tolga Aksu and Carlos A. Morillo), 2024.
Kardiale autonome Neuropathie – Wenn die Herzsteuerung gestört ist

Die kardiale autonome Neuropathie ist eine Erkrankung, bei der die Nerven, die das Herz steuern, geschädigt sind. Das Herz reagiert nicht mehr angemessen auf Signale, z. B. bei körperlicher Belastung oder Lagewechsel.

Typische Beschwerden sind:

  • Dauerhafte Erhöhung des Ruhepulses
  • Fehlende Anpassung des Pulses an Bewegung
  • Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie)
  • Plötzlicher Blutdruckabfall
  • Herzschmerzen ohne typische Warnzeichen („stummer Herzinfarkt“)

Häufige Ursachen sind Diabetes mellitus, langjähriger Bluthochdruck, neurologische Erkrankungen (z. B. Parkinson) oder bestimmte Medikamente. Eine kardiale autonome Neuropathie erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt ohne typische Warnzeichen sowie für einen plötzlichen Herztod. Eine frühzeitige Diagnostik und Behandlung sind daher entscheidend.

Zur Diagnostik nutzen wir u.a. eine Analyse der Herzratenvariabilität (HRV, Abbildung 4), im Einzelfall ergänzt durch eine Messung unter nicht-invasiver Stimulation kleiner Nervenfasern des autonomen Nervensystems am Ohr oder Hals mittels etablierter Geräte. Sie liefert wichtige Informationen über das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus und unterstützt die individuelle Therapieplanung. Die Behandlung umfasst die Therapie der Grunderkrankung, Medikamente sowie unterstützende Maßnahmen wie körperliches Training oder Yoga. Auf diese Weise können die Beschwerden auch bei ausgeprägten Kreislaufregulationsstörungen häufig deutlich gelindert werden.

Zwei Balkendiagramme mit jeweils fünf Balken
Abbildung 4: HRV-Analyse in Ruhe und unter Atemkommandos. Typischerweise tritt während tiefer Atemkommandos (unten) ein Entspannungszustand ein, welcher mit einem Anstieg der parasympathischen Aktivität (blauer Balken) und einem Abfall der sympathischen Aktivität (roter Balken) einhergeht.
Autonome Therapieoptionen bei Herzrhythmusstörungen und Ohnmachtsanfällen

Kardioneuroablation

Die Kardioneuroablation ist ein modernes, minimalinvasives Verfahren zur Behandlung ausgewählter Herzrhythmusstörungen, die durch eine Überaktivität des Nervensystems, des sogenannten Parasympathikus, der die Herzfrequenz senkt, bedingt sind. Dazu zählen unter anderem:

  • Vasovagale Synkopen (kurzzeitige Bewusstlosigkeit durch plötzlichen Blutdruck- und Pulsabfall)
  • Sinusknoten-bedingter langsamer Puls
  • AV-Blockierungen, bei denen die Weiterleitung der elektrischen Signale im Herzen gestört ist.

Dabei werden mittels eines Kathetereingriffs gezielt kleine Nervenzentren im Herz verödet, um die Herzfrequenz dauerhaft zu stabilisieren und Ohnmachtsanfälle zu verhindern. Da es sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht um eine Standardtherapie handelt, beteiligt sich das EVK Düsseldorf an einem globalen Expertennetzwerk und Register, um die Behandlungsmöglichkeiten dieser Patientinnen und Patienten zu verbessern (siehe „Klinische Studien“: CNA-FWRD-Register).

 

Transkutaner Ganglion Stellatum-Block

Bei lebensbedrohlichen Kammerrhythmusstörungen (sog. elektrischer Sturm) kann in ausgewählten akuten Fällen ein Ganglion-Stellatum-Block schonend minimalinvasiv und ultraschallgesteuert durchgeführt werden. Durch die gezielte Injektion eines Lokalanästhetikums an das sog. Ganglion Stellatum im Bereich des Halses wird die übermäßige Aktivität des sympathischen Nervensystems vorübergehend reduziert und der Herzrhythmus bis zur weiteren Therapie stabilisiert. Derartige innovative Ansätze stellen keine Standardtherapie dar und werden daher eingebettet in verschiedene internationale Netzwerke (Europa, transatlantisch) weiterentwickelt.