Brustzentrum

In unseren zertifizierten Krebszentren arbeiten Spezialisten aus verschiedenen Fachbereichen eng zusammen. Wir behandeln und betreuen Sie individuell je nach Diagnose. So sind Sie bei uns in allen Phasen der Krankheit in den besten Händen.

Interdisziplinäres Team

Dr. med. Carolin Nestle-Krämling

Zentrumsleiterin Brustzentrum
Chefärztin Frauenklinik

Familiärer Brustkrebs:
Dr. Carolin Nestle-Krämling im Interview

Dr. Carolin Nestle-Krämling, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, verfügt über die Schwerpunktbezeichnung Gynäkologische Onkologie und ist seit 2005 Brustoperateurin nach den Kriterien der AWOgyn (Arbeitsgemeinschaft für ästhetische, plastische und rekonstruktive Operationen in der Gynäkologie). Die erfahrene Senologin ist zudem assoziiertes Mitglied der American Society of Breast Surgeons (ASBS), die sich u.a. mit der Weiterentwicklung und Qualitätssicherung onkologischer Brustoperationen befasst.
Die Schwerpunkte von Dr. Nestle-Krämling liegen neben der umfassenden Versorgung und operativen Therapie von Brustkrebspatientinnen auf der Beratung und Behandlung von Frauen mit erblichem Brustkrebsrisiko.
Wir haben die Leiterin des zertifizierten EVK-Brustzentrums zum Thema familiärer Brustkrebs interviewt.

Wann sprechen Sie von einem Risiko, einen erblichen Brustkrebs haben zu können?
Wenn die Mutter daran erkrankt ist? Oder auch andere Verwandte?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Erblicher Brustkrebs wird vermutet, wenn mindestens zwei Familienangehörige an Brustkrebs oder an Eierstockkrebs erkrankt sind oder wenn Familienangehörige besonders jung erkrankt sind. Hier gibt es eine Reihe von sog. Einschlusskriterien, die sich auf eine bestimmte familiäre Risikosituation beziehen. Allerdings finden sich auch in bis zu 40 Prozent der erblich bedingten Brustkrebsfälle keine erkrankten Familienangehörigen, da Familien klein sind oder keine weiblichen Verwandten mehr leben.

Das betrifft auch Männer, also die Söhne der Mütter, die Brustkrebs haben?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Ja, Männer mit einer ererbten Tumorrisiko erkranken deutlich häufiger an Prostatakrebs, Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs aber auch an Brustkrebs.

An wen sollen sich diese Frauen (und Männer) wenden? In welchem Alter?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Eine erste Beratung erfolgt in der Regel durch die Frauenärztin. Viele verfügen über eine Zusatzweiterbildung in medizinischer Genetik. Wenn nicht, leiten sie die Frauen an ein Zentrum weiter. Wer in seiner Familie erblichen Brust- oder Eierstockkrebs vermutet und ausschließen möchte, sollte sich an ein spezialisiertes Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs wie z.B. in der Universitäts-Frauenklinik Düsseldorf oder auch an einen Facharzt für Humangenetik wenden.

Wann kommen Frauen (und Männer) zu Ihnen in Ihr Brustzentrum der Frauenklinik im EVK? Wie ist dann der Weg in Ihr Brustzentrum?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Frauen kommen am häufigsten zur Abklärung von Brustkrebs oder auch schon mit der Erstdiagnose Brustkrebs in unser Brustzentrum. Erkennen wir bei der Befunderhebung ein familiäres Risiko, können wir in unserer Spezialsprechstunde zum erblichen Brust- und Eierstockkrebs spezialisiert beraten und bei entsprechenden Einschlusskriterien die genetische Blutuntersuchung in die Wege leiten. Diese Beratung und Untersuchung erfolgt dann in enger Kooperation mit dem Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs an der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf.

Wurde dann eine erbliche Genveränderung mit hohem Tumorrisiko entdeckt, erfolgt eine zweite Beratung über die bereits im Erstgespräch angesprochenen Optionen: hierzu gehört die intensivierte Früherkennung z.B. mit regelmäßigen Mammografie-, Ultraschall- und MRT-Untersuchungen der Brust sowie andere Möglichkeiten der Prävention wie prophylaktische Operationen.

Die Entfernung der Eierstöcke nach abgeschlossener Familienplanung ist ein eher kleiner Eingriff zur Vermeidung einer gefährlichen und häufig tödlichen Eierstockkrebserkrankung und somit eine klare Empfehlung. Die prophylaktische Entfernung beider Brüste ist dagegen eine Entscheidung, der eine äußerst detaillierte, ausführliche Beratung über Möglichkeiten und individuelle Risiken vorausgehen muss. Hierzu kommen auch Frauen aus anderen Zentren zu uns, die bereits vorinformiert und zu dem Eingriff entschlossen sind.

Was raten Sie? Abwarten bis der Krebs sich zeigt? Oder vorsorglich operieren?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Eine immer sehr individuelle Frage, die mit jeder einzelnen Frau, nicht selten auch in mehreren offenen Gesprächen erarbeitet werden muss. Unsere Aufgabe ist tatsächlich eine offene Beratung, da die Entfernung eines gesunden Organs keine medizinische Empfehlung im engeren Sinn sein kann, sondern vielmehr eine sehr vielschichtige Risikoabwägung darstellt: Risiken einer Tumorerkrankung, die glücklicherweise auch häufig heilbar ist gegen Risiken einer Operation mit u.U. langfristigen Beschwerden oder einem für die Patientin nicht befriedigenden ästhetischen Ergebnis.

Trotzdem entscheiden sich manche Frauen, die Trägerinnen eines mutierten Gens sind und aufgrund der Familiengeschichte eine hohe Erkrankungswahrscheinlichkeit haben, lieber für ein engmaschig kontrolliertes Abwarten als für eine sofortige Operation. Haben Sie dafür Verständnis?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Dieses Verständnis habe ich absolut, und die Entscheidung für eine prophylaktische Operation ist schwierig und immer sehr individuell. Aber ich sehe auch, dass viele früh entdeckte Tumore die ganze Belastung von Operation, Bestrahlung und Chemotherapie mit sich bringen. Das Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken, liegt bei diesen Frauen bei bis zu 80 Prozent – also nur zu 20 Prozent erkrankt eine Frau nicht.

Engmaschiges Abwarten bedeutet auch immer wieder Untersuchungen, und damit auch immer wieder die Sorge, dass doch etwas gewachsen sein könnte, das bei der letzten Untersuchung noch nicht da war?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Ja, so ist es. Manche Frauen entscheiden sich doch, lieber eine vorsorgliche Mastektomie durchführen zu lassen, statt sich lebenslang dem psychischen Stress der halbjährlichen Untersuchungen und gegebenenfalls notwendigen Abklärungen auszusetzen.

Was genau bedeutet eine prophylaktische OP für die Betroffenen? Was kommt auf sie zu?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Der Eingriff umfasst die gründliche Entfernung des gesamten Drüsenkörpers mit Erhalt des gesamten Hautmantels und der Brustwarze durch Ausschälen unter der Haut und Ersatz des Volumens durch Implantate. Der Eingriff dauert etwa drei Stunden und die Erholung vier bis sechs Wochen. Zu einem späteren Zeitpunkt kann bei Wunsch oder bei Implantatkomplikationen auch eine aufwändige Eigengewebsrekonstruktion aus dem Bauch- oder Pobereich erfolgen.

Kümmern Sie sich im EVK professionell um die Seele der Frauen? Was leistet die Psycho-Onkologie?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: In unserem zertifizierten Brustzentren im EVK Düsseldorf wird jeder Patientin die Mitbetreuung durch Psycho-Onkologen angeboten. Im Idealfall bereits bei der Diagnosemitteilung.

Es hat sich insgesamt viel geändert in der Behandlung des Mammakarzinoms, Was gibt es Neues?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Sehr viel hat sich tatsächlich geändert, es gibt neue Operationstechniken, neue Materialien zur Brustrekonstruktion wie resorbierbare Netze oder biologische Gewebematrix – und vor allem gibt es immer bessere ästhetische und onkologische Ergebnisse. Im Hinblick auf die Beratung und Betreuung von Frauen mit hohem Brustkrebsrisiko hat das Deutsche Konsortium für Familiären Brust- und Eierstockkrebs als Zusammenschluss der spezialisierten Zentren auch in den letzten Jahren weiterhin viele Daten gesammelt und wichtige Erkenntnisse publiziert. So können immer präzisere individuelle Risiken aus der Blutuntersuchung gelesen werden, so dass künftig auch bei Frauen ohne die bekannten Einschlusskriterien und die „klassische“ familiäre Belastung ein individuelles Risiko benannt und entsprechende präventive Maßnahmen veranlasst werden können.

Mammografie-Screening startet erst im Alter von 50 Jahren, reicht das?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Im Normalfall, also bei Frauen ohne erhöhtem Brustkrebsrisiko, ist das gut und ausreichend. Bei Frauen mit mäßig erhöhtem Risiko aber würde zum Beispiel ein früherer Beginn mit 45 Jahren oder eine jährliche statt der üblicherweise alle zwei Jahre vorgesehenen Mammografie die Zahl der sog. Intervallkarzinome reduzieren. In jedem Fall wissen wir aus aktuellen Studiendaten, dass beim Mammografie-Screening der Nutzen den Schaden bei weitem überwiegt.

In Deutschland gehen trotzdem nur knapp 50 Prozent aller angesprochenen Frauen zum Mammografie-Screening. Sind das genug?

Dr. Carolin Nestle-Krämling: Das ist sicherlich kein zufriedenstellendes Teilnahmeresultat. Das Screening-Programm strebt eine mindestens 70-prozentige Teilnahmerate an, um bestmöglichen Nutzen zu entfalten. Daher wird sowohl durch immer weiter verbesserte Information und Erreichbarkeit der Zugang zum Mammografie-Screening erleichtert und verbessert.

Sonja Köhler

Koordinatorin Brustzentrum
Oberärztin Senologie

Dr. med. Henning Bredenfeld

Leiter des MVZ, Onkologe
Oberarzt Medizinische Klinik

Prof. Dr. Thomas Lauenstein

Prof. Dr. med. Thomas Lauenstein

Chefarzt Radiologische Klinik

Dr. Jörg Boddenberg

Dr. med. Jörg Boddenberg

Radiologische Diagnostik
Oberarzt Radiologische Klinik

Markus Kurz

Markus Kurz

Palliativmedizin
Funktionsoberärztliche Leitung Palliativstation

Dr. Türkiz Akalin

Dr. med. Türkiz Akalin

Psychoonkologie
Ärztliche Psychotherapeutin

Barbara Krug

Barbara Krug

Hospiz
Leiterin Stationäres Hospiz am EVK