Speise­röhren­krebs­zentrum

Unser Speiseröhrenkrebszentrum, welches durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert ist, ist das einzige in der Region Düsseldorf und am Niederrhein. Sowohl gut- als auch bösartige Tumore werden durch unser interdisziplinäres Team nach neuestem Wissensstand und unter Anwendung modernster Technik diagnostiziert und behandelt.

Erkrankungen + Therapie

Die Behandlung von Speiseröhrenerkrankungen ist eine Domäne des Evangelischen Krankenhauses in Düsseldorf.
Alle Erkrankungen der Speiseröhre werden in enger Zusammenarbeit der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie (Chefarzt Prof. Dr. Werner Hartwig) mit der Medizinischen Klinik (Chefarzt Prof. Dr. Horst Neuhaus), deren Endoskopie als „Center of Excellence“ der World Endoscopy Organization anerkannt ist, der Radiologischen Klinik (Chefarzt Prof. Dr. Thomas Lauenstein) und dem Onkologischen MVZ (Leiter Dr. Henning Bredenfeld) behandelt.

Gut- und bösartige Speiseröhrentumore

Der bösartige Speiseröhrenkrebs wird auch als Ösophaguskarzinom bezeichnet. Die häufigsten zwei histologischen Typen sind das Adenokarzinom und das Plattenepithelkarzinom, die sich jedoch grundsätzlich in ihrer Entstehung, aber auch in ihrer Therapie unterscheiden. Das Adenokarzinom der Speiseröhre entspricht zumeist einem Barrett-Karzinom, das auf dem Boden einer langjährigen Refluxerkrankung und der dadurch einhergehenden chronischen Säure- und Entzündungsbelastung der unteren Speiseröhre entsteht. Die Barrett-Karzinome werden deshalb oftmals bei der Abklärung oder Überwachung einer Refluxerkrankung erkannt. Das Plattenepithelkarzinom wiederum entsteht bei Patienten, welche viel hochprozentigen Alkohol zu sich nehmen und stark rauchen. Zumeist sind Schluckstörungen das erste Symptom dieses Tumors.

Bei der Diagnostik steht jeweils die Speiseröhren- und Magenspiegelung (Endoskopie) an erster Stelle. Zur Bestimmung der Größe und der Ausdehnung des Tumors sind zusätzlich eine Endosonographie (endoskopischer Ultraschall), eine Computertomographie von Brust- und Bauchraum und ggf. weitere Untersuchungen erforderlich. Frühformen der Tumoren, welche nur auf die Schleimhaut der Speiseröhre beschränkt sind, können eventuell rein endoskopisch und höchst qualifiziert durch die Mitarbeiter der Inneren Medizin (Chefarzt Prof. Dr. H. Neuhaus) abgetragen werden. Alle fortgeschrittenen Tumore bedürfen einer Operation, sofern keine Tumorabsiedlungen in anderen Organen (insbesondere Leber- und Lungenmetastasen) vorliegen. Im Vorfeld einer Operation muss bei Adenokarzinomen oftmals eine Chemotherapie, bei Plattenepithelkarzinomen eine Chemo- plus Strahlentherapie durchgeführt werden (perioperative bzw. neoadjuvante Therapie). Die Patienten und tumorspezifische Therapie stimmen wir jeweils in unserem interdisziplinären Tumorboard ab, den internationalen Therapieempfehlungen und Leitlinien entsprechend.

Bei der Operation des Ösophaguskarzinoms in unserer Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie (Chefarzt Prof. Dr. W. Hartwig) wird die Speiseröhre inklusive des Lymphabflussgebietes, welches ein Filternetzwerk für Tumorzellen darstellt, entfernt. Aus dem Magen wird ein Speiseröhrenersatz (Magenschlauch) gebildet, der mit dem oberen Speiseröhrenrest vernäht wird. Dadurch können die Patienten anschließend wieder alles essen, müssen jedoch 6-8 kleine Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen. Die Operation ist ein ausgedehnter und durchaus komplikationsgefährdeter Eingriff, welcher nur an Zentren durchgeführt werden sollte. Unser zertifiziertes Zentrum führt die größte Anzahl dieser Operationen im Großraum Düsseldorf/Rhein-Kreis Neuss durch. Bei uns wird die Operation fast ausschließlich als Hybrid-Ösophagusresektion durchgeführt, d.h. die Magenschlauchbildung erfolgt minimal invasiv in Schlüssellochtechnik (laparoskopisch), die Speiseröhrenentfernung selbst und der Wiederanschluss des Magenschlauches an den Speiseröhrenrest mittels eines Schnitts am seitlichen Brustkorb. Nur sehr selten muss ein Dickdarmstück als Speiseröhrenersatz zwischengeschaltet werden (Koloninterponat).

Trotz der Gefährlichkeit dieses Eingriffs liegt die Komplikationsrate und die Behandlungs-assoziierte Mortalität am EVK weit unter dem Bundesdurchschnitt. Die mittlere Krankenhausverweildauer nach der Speireröhrenoperation beträgt bei uns 13 Tage. Die ersten Tage nach der Operation verbringen unsere Patienten auf der Intensivstation, bis sichergestellt ist, dass die Naht zwischen dem oberen Speiseröhrenrest und dem Magenschlauch gut verheilt ist. Im Anschluss an die Krankenhausbehandlung und der etwaigen Vervollständigung der Chemotherapie (perioperative oder adjuvante Therapie) empfehlen wir in den meisten Fällen eine Anschlussheilbehandlung, die unser Sozialdienst zusammen mit dem Patienten gerne beantragt.

Gutartige Speiseröhrentumoren, welche generell selten vorkommen und zumeist von den tieferen Schichten der Speisröhrenwand ausgehen, können zumeist ohne Operation rein endoskopisch abgetragen werden.

Reflux

Unter Gastroösophagealem Reflux, auch GERD genannt, bezeichnet man den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Hierdurch kommt es zu Sodbrennen. Bei dauerhaftem Reflux infolge eines Zwerchfellbruchs (Hiatushernie) oder einer Muskelschwäche des unteren Speiseröhrenschließmuskels kommt es zu einer Entzündung der unteren Speiseröhre (Refluxösophagitis). Dies kann im weiteren Verlauf zum Barrettösophagus und in seltenen Fällen zu einem Barrett-Karzinom führen.

Bei der Abklärung von Sodbrennen nimmt die Magenspiegelung (Endoskopie), welche durch einen niedergelassenen Gastroenterologen oder durch unsere Kollegen der Inneren Medizin durchgeführt wird, eine entscheidende Rolle ein. Hier können sowohl auslösende Ursachen (z.B. Hiatushernie) als auch Schleimhautveränderungen der Speiseröhre (z.B. Ösophagitis, Barrett-Schleimhaut) identifiziert und Gewebeproben entnommen werden. Mittels einer 24- Stunden pH-Metrie quantifiziert man den Rückfluss von saurem Magensekret in die Speiseröhre. Eine Manometrie misst den Druck in der Speiseröhre während des Schluckaktes.

Die Behandlung des Reflux besteht primär in einer Ernährungsoptimierung (fett- und zuckerarme Nahrung, Vermeidung später Mahlzeiten), Gewichtsreduktion, Verzicht von Speiseröhre (Ösophagus) Alkohol und Nikotin und einer medikamentösen Therapie (Säureblocker). Bei dauerhaften Beschwerden trotz medikamentöser Therapie oder bei Medikamentennebenwirkungen kommen Anti-Reflux Operationen zum Einsatz. Hierbei wird der häufig bestehende Zwerchfellbruch durch eine Zwerchfellnaht (Hiatoplastik) eingeengt, zusätzlich wird eine Magenmanschette (Fundoplikatio) gebildet, um die Abdichtung des Magens zur Speiseröhre hin zu erzielen. Hierbei kommen bei uns patienten- und befundadaptiert sowohl die 270° Hemifundoplikatio (Toupet-Verfahren) als auch die 360° Nissen Fundoplikatio zum Einsatz. Diese Operationen werden hoch standardisiert in minimal invasiver Technik (laparoskopisch, sogenannte Schlüssellochtechnik) durch speziell ausgebildete Operateure durchgeführt. Nur in Ausnahmefällen wird zur Stabilisierung der Zwerchfellnaht (Hiatoplastik) ein Kunststoffnetz implantiert. Nach der Operation dürfen Sie rasch trinken; festes Essen darf nach wenigen Tagen wieder zu sich genommen werden.

Achalasie

Die Achalasie ist eine seltene Funktionsstörung der Speiseröhre, bei der sich der untere Speiseröhrenschließmuskel am Übergang zum Magen (unterer Ösophagussphinkter) nicht richtig öffnet. Dadurch kommt es zu einem chronischen Stau der geschluckten Nahrung in der Speiseröhre, die sich nachfolgend teils grotesk erweitert. Es kommt zu Schluckbeschwerden und teils häufigem Erbrechen der unverdauten Nahrung. Wenn dies unbemerkt nachts erfolgt, sind Lungenentzündungen (sogenannte Aspirationspneumonien) die Folge. Durch die sich entwickelnde chronische Entzündung in der Speiseröhre stellt die Achalasie auch einen Risikofaktor für die Entstehung eines Speiseröhrenkarzinoms dar.

Die leichteren Formen der Achalasie werden zuerst mit Medikamenten therapiert. Mittels einer Dehnung des unteren Speiseröhrenschließmuskels im Rahmen einer Magenspiegelung (pneumatische Ballondilatation) kann meist vorübergehend eine Besserung erzielt werden. Bei Patienten, die auf diese Therapieformen nicht ansprechen kommen sowohl eine chirurgische Durchtrennung des Schließmuskels (laparoskopische Heller-Myotomie) als auch eine Muskeldurchtrennung mittels Magenspiegelung (perorale endoskopische Myotomie, POEM) zum Einsatz. Das minimal invasive operative Verfahren hat den Vorteil, dass man gleichzeitig eine Magenmanschette um die untere Speiseröhre bildet. Dadurch haben die Patienten im Verlauf deutlich seltener Reflux-Beschwerden als nach dem POEM Verfahren. Auch kommt das operative Verfahren bei Patienten zum Einsatz, bei denen das POEM Verfahren nicht erfolgreich war. Sowohl die laparoskopische Heller-Myotomie als auch das POEM Verfahren werden bei uns am EVK in enger Kooperation der Chirurgischen Klinik (Chefarzt Prof. Dr. Werner Hartwig) und der Medizinischen Klinik (Chefarzt Prof. Dr. Horst Neuhaus) hoch spezialisiert angeboten.

Divertikel der Speiseröhre

Das häufigste Divertikel der Speisröhre ist das Zenker Divertikel. Hierbei handelt es sich um eine Ausstülpung der Speisröhrenwand im Halsbereich, in welchem aufgenommene Nahrung hängen bleibt. Es kommt zu Schluckstörungen, Erbrechen von unverdauter Nahrung, Globusgefühl im Halsbereich und üblem Mundgeruch.

Die Diagnose eines Speiseröhrendivertikels erfolgt mittels Endoskopie (Speiseröhrenspiegelung) und einer Röntgenkontrastaufnahme (Kontrastmittelschluck). Alle Divertikel bedürfen generell einer Behandlung, da Perforationen (Durchbruch), Blutungen und Lungenentzündungen durch unbemerktes Erbrechen (Aspirationspneumonie) die Folge sein können. Die Therapie des Zenker Divertikels erfolgt an modernen Zentren meist endoskopisch (Medizinische Klinik, Prof. Dr. Horst Neuhaus), die der im Brustraum liegenden Divertikel mittels Operation. Hierbei wird die Ausstülpung mittels Klammernahtgerät abgetragen und die Muskulatur der Speiseröhre darüber vernäht.