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EVK Düsseldorf bietet Intensivtagebuch an

Düsseldorf, 08.01.2019 – Viele Patienten auf der Intensivstation sind in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkt. Unter Sedierung (schläfriger Zustand durch Medikamente) und Beatmung fällt es oft schwer, zwischen Traum und Realität zu unterscheiden. Auch die jeweilige Grunderkrankung kann die Eindrücke trüben.  

Für viele ehemalige Patienten ist es daher besonders belastend, wenn sie die Zeit auf der Intensivstation aufgrund von Erinnerungslücken nicht verarbeiten können. Die Folge: physische, psychische wie auch soziale Probleme. Viele leiden unter Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Gereiztheit.

Um diesen Folgen entgegenzuwirken und die Erinnerungslücken zu schließen, bietet das Evangelische Krankenhaus Düsseldorf nun Intensivtagebücher an. Darin werden Ereignisse und Entwicklungen während der Zeit der Bewusstlosigkeit festgehalten. Das Tagebuch wird v.a. von den Angehörigen gestaltet, aber auch durch das Behandlungsteam (Physiotherapeuten, Ärzte, Pfleger, Seelsorge). „Zuhause soll der Patient mit Hilfe des Tagebuchs die Ereignisse rekonstruieren und verstehen können – eine Aufarbeitung dieser Zeit kann dadurch ermöglicht werden“, so Benedikt Walljasper, Pflegerischer Leiter der Intensivstation im EVK Düsseldorf. Bei wem das Buch angewendet wird, entscheidet das Behandlungsteam. „In der Regel kommt es bei Patienten mit einer voraussichtlichen Sedierung von mehr als 48 Stunden zum Einsatz", so Walljasper.

Doch nicht nur bereits entlassene Intensivpatienten profitieren von dem Buch. Auch für Angehörige und das Behandlungsteam kann es positive Effekte haben: Indem Nahestehende ihre Gedanken und Gefühle zu Papier bringen, entlasten sie sich – es hat für sie eine psychosoziale Wirkung. Mitarbeiter auf Intensivstation, die in das Buch schreiben, reflektieren wiederum ihr eigenes professionelles Handeln – sie betrachten sich und die Behandlung des Patienten sozusagen von außen.

Keine Neuheit, aber in Deutschland noch immer eine Seltenheit

Das Intensivtagebuch wurde in den späten 1980er-Jahren in Skandinavien entwickelt. Die positiven Effekte des Buchs sind mittlerweile wissenschaftlich belegt. Dennoch ist es auf deutschen Intensivstationen nicht weit verbreitet. Das Tagebuch ist bislang nur auf etwa fünf bis 15 Prozent der Intensivstationen eingeführt.

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