Nachrichten / Stories

Wenn Sie Fragen zu diesen Nachrichten oder anderen Themen haben, sprechen Sie uns an. Den Kontakt zur Abteilung Unter­nehmens­kommu­nikation finden Sie unter „Presse und Medien“.

EVK Düsseldorf hat den Ernstfall geübt

16 Statisten kamen gleichzeitig als Verletzte in die Notaufnahme

Düsseldorf, 24.10.2019 – Am Mittwoch, 23.10.2019 wurde im Evangelischen Krankenhaus erstmals der „Massenanfall an Verletzten“ kurz MANV geübt. MANV ist ein Konzept, das das EVK als Teil der Notfallversorgung in Düsseldorf vorhält. Es beschreibt detailliert, wie sich Ärzte und Pflegende verhalten müssen, wenn die sog. MANV-Situation eintritt, bei der eine große Zahl von Betroffenen plötzlich versorgt werden muss.

Interview mit Alexander Kleophas

Alexander Kleophas (33) leitet im EVK die Zentrale Notaufnahme, kurz ZNA. Gemeinsam mit einem großen Team aus Anästhesisten, Notfallmedizinern, der Pflegedienstleitung und der Verwaltung des Bilker Innenstadtkrankenhauses hat er die freiwillige Übung ins Leben gerufen und gestern durchgeführt.

Was war gestern los?
Wir haben gestern den Notfall simuliert. Spontan mussten wir gestern 16 „Verletzte“ betreuen und behandeln, davon einen Teil Schwerletzte. In unserem Fall simulierten wir den Fall einer Massenschlägerei. Ein Teil der Verletzten konnte zu Fuß zu uns gehen, die meisten wurden von den Rettungswagen in unsere Notfallaufnahme gebracht. Der ASB und das DRK haben uns für die Übung insgesamt 6 Rettungswagen zur Verfügung gestellt.

Wer waren die Verletzten?
Die Schülerinnen und Schüler unserer Schule für Physiotherapie haben die Verletzten gespielt. Sie wurden vorher von professionellen Make-up Artists so hergerichtet, dass sie verletzt aussahen, manche weniger, manche schwerverletzt.

Wer ruft den MANV aus?
Der MANV wird durch Mitarbeiter des Rettungsdienstes und die Notärzte ausgelöst. Die Krankenhäuser in Düsseldorf erhalten dann eine Alarmierung per Fax, dass entsprechende Vorbereitungen zu treffen sind.

Was genau ist dann Ihre Aufgabe?
Der diensthabende Anästhesist übernimmt im Evangelischen Krankenhaus die Rolle des Zentralen Innerklinischen Notfallkoordinators, kurz ZINK. Er sorgt dafür, dass je nach angekündigter Patientenanzahl genügend Pflegepersonal und Ärzte ins Krankenhaus gerufen werden und Vorbereitungen in den Behandlungsräumen getroffen werden. Die Zentrale Notaufnahme richtet den Schockraum ein, um alle eintreffenden Patienten in Listen zu registrieren und hier eine erste Sichtung durchzuführen damit wir sehr schnell Verletzungsschwere der Patienten feststellen können. Als Leiter der Notaufnahme ist dies mein Job oder der meiner Vertretung.

Wie sieht der Ablauf aus? Was alles passiert, bis ein Verletzter behandelt bzw. operiert ist?
Zuerst stellen wir die Verletzungsschwere der Patienten fest und tragen die Patientendaten in die Registrierungslisten ein. Die Patienten werden in die Kategorien „Rot“ für die sofortige Behandlung, „Gelb“ für die dringende Behandlung und „Grün“ für eine spätere Behandlung aufgeteilt. So stellen wir sicher, dass Patienten mit lebensbedrohlichen Verletzungen zuerst behandelt werden. Je nach Sichtungskategorie werden die Patienten einem bestimmten Behandlungsbereich zugeordnet. Das kann bei schweren Verletzungen direkt der Einleitungsraum, also der Vorraum zum Operationssaal, sein. Hier kümmert sich dann ein Team aus Chirurgen, Anästhesisten und Narkosepflegern um den Patienten. Die Notoperation kann dann sehr schnell beginnen.

Wer alles gehört im EVK zu dem Team, das einen MANV betreut?
Bei einem Großereignis bleibt kaum eine Abteilung unbetroffen. Wesentlich sind neben der Zentralen Notaufnahme und der Kliniken für Anästhesiologie und für Chirurgie vor allem unsere Pflegedienstleitung, der Hol- und Bringedienst, die Röntgenabteilung, die Verwaltung, das Labor, die Presseabteilung und die Seelsorge. In unserer ersten Übung haben wir uns auf die Alarmierungswege, Abläufe und die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst konzentriert und nicht alle Abteilung in die Übung mit eingebunden. Den normalen Krankhausbetrieb wollten wir während der Übung möglichst ungestört weiterlaufen lassen.

Wie viele Verletzte kann das EVK aufnehmen?
Unsere mit dem Rettungsdienst abgesprochene Gesamtkapazität bei einem MANV liegt bei 34 Patienten binnen vier Stunden. Durch den Rettungsdienst werden Patienten je nach Verletzungsart und -schwere auf verschiedene Krankenhäuser aufgeteilt. Berücksichtigt werden muss immer, dass Patienten in so einer Situation auch auf eigene Faust zu Fuß und nicht mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus kommen - insbesondere, wenn das Ereignis sich in der Nähe des Krankenhauses abgespielt hat. Auch diesen Umstand haben wir in der Übung simuliert.

Wie haben Sie während der Übung den normalen Notfallbetrieb aufrechterhalten?
Zum einen haben wir uns bei unserer ersten Übung entschieden, optimierte Bedingungen zu schaffen: So haben wir den Rettungsdienst gebeten, für den Zeitraum unserer Übung Patienten nach Möglichkeit in andere Krankenhäuser zu bringen. Die anderen Krankenhäuser haben wir vorab informiert. Somit konnten wir die Anzahl „normaler“ Notfallpatienten für den Zeitraum der Übung verringern. Des Weiteren sieht unser MANV-Konzept vor, nur den Schockraum und ggf. einen weiteren Raum der ZNA für die Ersteinschätzung der MANV-Patienten zu nutzen. Die weitere Versorgung findet dann in anderen Teilen des Krankenhauses statt, sodass der normale Betrieb der Notaufnahme weiterläuft und Notfall-Patienten, die nicht vom MANV betroffen sind, während unserer Übung wie üblich in der Zentralen Notaufnahme versorgt werden konnten.

Ist solch eine Übung Pflicht?
Es besteht keine Pflicht, eine Übung durchzuführen. Wir wollten unser bestehendes Konzept durch diese Übung auf die Probe stellen und die Abläufe trainieren, damit unser Krankenhaus für einen Ernstfall noch besser vorbereitet ist.

Wie ist es gelaufen? Was war gut, was kann besser laufen?
Insgesamt war die Übung ein großer Erfolg. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des EVK haben hoch professionell und in Ruhe den Massenanfall von Verletzten bearbeitet. Sogar, als am Ende der Übung ein Schwerverletzter in die Notaufnahme gebracht wurde und parallel dazu im Krankenhaus auch noch ein interner „Herzalarm“ ausgerufen wurde. Bis auf wenige Kleinigkeiten wurde das MANV-Konzept von allen Beteiligten umgesetzt. Wir sind sehr froh, dass wir den Ernstfall geübt haben. Dank unseres Konzeptes haben Alle wie ein Uhrwerk funktioniert, jeder wusste zu jedem Zeitpunkt, was zu tun ist. Insgesamt 6 Beobachter haben alles protokolliert. Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und die Kleinigkeiten, die nicht rund gelaufen sind, nachbessern. Damit wir das nächste Mal und vor allem im Ernstfall bestens aufgestellt sind! Die Schauspieler haben ihre Rollen glaubwürdig gespielt – auch dank der Visagisten – und die Rettungssanitäter haben einen tollen Job gemacht. Wir bedanken uns bei Allen, die die MANV-Übung gestern im EVK möglich gemacht haben. Wir sind ein großartiges Team, herzlichen Dank!

Sind weitere Übungen geplant?
Zunächst möchten wir die gestrige Übung vollständig auswerten und sehen, ob sich in unserem Konzept weiteres Verbesserungspotential verbirgt. Es wäre gut, solche Übungen regelmäßig durchzuführen. Dies muss aber mit dem Alltag des normalen Krankenhausbetriebes vereinbar sein.

Zurück