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22. Internationales Endoskopie Symposium Düsseldorf

Moderne Darmkrebsvorsoge 2020: Die Zukunft hat bereits begonnen

EVK Düsseldorf stellt erstmals KI-Assistenten zur Erkennung und Behandlung von Darmkrebs vor

Düsseldorf 06.02.2020 – Vom 6. bis 8. Februar 2020 findet zum 22. Mal in Düsseldorf das Internationale Endoskopie Symposium statt. Veranstalter ist Prof. Dr. Horst Neuhaus, Chefarzt der Medizinischen Klinik am EVK Düsseldorf. Im Fokus des Kongresses steht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Erkennung und der Behandlung von Darmkrebs. Prof. Dr. Horst Neuhaus und Dr. Torsten Beyna, Ärztlicher Leiter der Endoskopie am EVK Düsseldorf, präsentieren erstmals in Düsseldorf KI-Assistenten, die eine deutliche Verbesserung der Darmkrebsvorsorge versprechen.

Neuhaus und sein Team erwarten rund 2.000 Teilnehmer aus über 50 Ländern im Maritim Hotel Düsseldorf. In Vorträgen und Live-Demonstrationen präsentieren international renommierte Experten neueste endoskopische Techniken. Die Eingriffe werden vom Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf (EVK) live in das Auditorium des Hotels übertragen.

Was ist neu?

Die Darmspiegelung mit Endoskopen, auch Koloskopie genannt, ist die effektivste und treffsicherste Methode zur Früherkennung von bösartigen Tumoren im Dick- und Mastdarm. Bei einer Vorsorgeuntersuchung haben bisher Ärzte mittels eines Endoskops geschaut, ob der Darm gesund ist oder ob dort Polypen oder gar Tumore vorliegen. Bei der Darmspiegelung kommen jetzt erstmals Systeme mit Künstlicher Intelligenz (KI), sog. KI-Assistenten im EVK Düsseldorf zum Einsatz. Sie unterstützen Ärzte bei der Diagnose. Ebenso bei der anschließenden Entscheidung, welche Therapie – endoskopisch oder chirurgisch - sinnvoll ist.


Bei der Erkennung:
Lernende KI-Assistenten unterstützen Ärzte dabei, schnell und zuverlässig einen krankhaften Befund zu erkennen. Eines dieser Systeme ist das GI Genius Modul, es nutzt fortschrittliche künstliche Intelligenz, sogenannte „tiefe oder geschichtete neuronale Netzwerke“ (deep oder convolutional neural network), um während der Koloskopie Krebsvorstufen in Echtzeit auf dem Bildschirm zu erkennen und zeitgleich mit einem akustischen Signal visuell zu markieren. KI-Assistenten dienen dem Arzt und seinem Team als wachsame Beobachter. Die Verantwortung dabei bleibt beim Arzt.


Ist ein Befund Krebs oder nicht?
Auch hier helfen die neuen KI-Systeme mit hoher Zuverlässigkeit. Nicht jeder Polyp, nicht jeder Veränderung im Darm ist sofort eine Krebserkrankung. So gibt es seit neuestem KI-Systeme, die während der Untersuchung eine Unterscheidung der Befunde vornehmen: sie erkennen sofort, ob ein Polyp harmlos ist oder er sich bereits zu einer Krebsvorstufe oder zum Krebs entwickelt hat. So z.B. Endobrain: ein lernfähiges System, das während der Koloskopie Bilder aus dem Inneren des Darms in 500-facher Vergrößerung an den Computer übermittelt. Dort prüft eine Software an 300 Einzelmerkmalen, ob es sich beispielsweise bei dem Polypen um eine Darmkrebsvorstufe, ein sogenanntes Adenom handelt oder ob es eine harmlose Wucherung ist.

Prof. Dr. Horst Neuhaus ist von den neuen Assistenten überzeugt: „Gerade Ademone, also Polypen, die bereits als Krebsvorstufe gelten, sind häufig sehr flach und in den Falten und Winkeln der Darmwand verborgen. Obwohl bei uns als Referenzzentrum immer die neuesten und hochauflösende Endoskopie-Geräte zum Einsatz kommen, erkennen auch wir nicht immer alles sofort. Gemeinsam mit den KI-Assistenten finden wir noch zuverlässiger Krebsvorstufen. Das ist in ersten Studien belegt. Die Entwicklung der Medizin und der Medizintechnik ist hier auf einem sehr guten Weg. Davon profitieren unsere Patienten.“


Der Austausch mit den erfahrensten Endoskopikern weltweit ist dabei ein wichtiger Baustein, immer noch besser zu werden. Mit Prof. Dr. Allessandro Repici von der Universität Mailand und mit Prof. Dr. Yuichi Mori von der Showa Universität in Yokohama hat er zwei der weltweit führenden Experten zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der Darmkrebsvorsorge- und -behandlung nach Düsseldorf geholt.


Wie auch Prof. Dr. Naohisa Yahagi von der Keio Universität in Tokio. Gemeinsam mit dem EVK Team präsentiert er auf dem Symposium eine Weiterentwicklung der von ihm entwickelten Behandlungs-Technik, die sogenannte endoskopische submukosale Dissektion (ESD): sie entfernt ohne hohes Risiko auch größere Darmkrebsvorstufen oder -frühstadien an einem Stück. Durch diese schonende Behandlung können große Operationen vermieden werden. Der Vorteil: Darmkrebspatienten werden ohne Einschränkungen ihrer Lebensqualität behandelt.


Gemeinsam mit dem EVK-Team wird Prof. Dr. Naohisa Yahagi während des Symposiums einen solchen Eingriff live durchführen. Einer 69jährigen Patientin wird dabei ein großer flacher Polyp - bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits um einen Enddarmkrebs im Frühstadium handelt - im unteren Teil des Enddarmes so entfernt, dass ein künstlicher Darmausgang (als mögliche Folge einer chirurgischen Entfernung) vermieden werden kann. Die Patientin hatte vorab eine Darmspiegelung im Rahmen der Darmkrebsvorsorge nach Überweisung ihres Hausarztes bei einem niedergelassenen Gastroenterologen durchführen lassen. Er hat die flache Veränderung zuverlässig entdeckt. Das Zusammenspiel von effektiver Vorsorge und die neuen, innovativen Therapiemöglichkeiten im EVK Düsseldorf ermöglichen der Patientin ein Leben ohne Einschränkungen.


Früherkennung rettet Leben

Trotz eines effektiven Vorsorgeprogramms in Deutschland seit 2002 liegen Darmkrebs bzw. kolorektale Karzinome mit etwa 62.000 Neuerkrankungen und etwa 26.000 Todesfällen pro Jahr nach wie vor weit vorne auf der Rangliste der tödlichen Krebserkrankungen. Bei frühzeitiger Diagnose ist Darmkrebs zu einem hohen Prozentsatz heilbar.


Bei der Vorsorge geht es darum, Darmkrebs in einem möglichst frühen Stadium zu entdecken. Dann sind die Heilungsaussichten am größten. Verhindern lässt sich ein Tumor im Darm, wenn bereits seine Vorstufe, ein Darmpolyp (kolorektales Adenom), aufgespürt und entfernt wird. Damit wird die Darmkrebsfrüherkennung zu einer echten Vorsorge. Darmpolypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut. Manche Darmpolypen können sich im Laufe der Jahre zu bösartigem Darmkrebs entwickeln. Es kann viele Jahre dauern, bis aus solchen Schleimhautveränderungen Krebs entsteht. Da Polypen meist keine Symptome verursachen, lassen sie sich nur durch regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen erkennen.


Die Abteilung für Endoskopie am EVK Düsseldorf

Die Abteilung für Endoskopie am EVK Düsseldorf unter Ärztlicher Leitung von OA Dr. Torsten Beyna ist Teil der Medizinischen Klinik am EVK Düsseldorf von Chefarzt Prof. Dr. Horst Neuhaus. Sie ist seit 2007 als Center of Excellence der „World Endoscopy Organization“ WEO anerkannt. Darüber hinaus ist die Abteilung Trainingszentrum der European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE).


Jährlich werden hier über 10.000 diagnostische und therapeutische endoskopische Untersuchungen und Eingriffe bei Erwachsenen sowie Kleinkindern und Säuglingen durchgeführt. Darunter sind allein über 4.200 Spiegelungen des oberen Verdauungstrakts und über 3.400 Darmspiegelungen - neben Eingriffen an den Gallenwegen und der Bauchspeicheldrüse. Für viele Krankheitsbilder werden innovative endoskopische Verfahren angeboten, die im Rahmen von Studien durchgeführt werden. Die Ergebnisse werden regelmäßig publiziert und auf nationalen und internationalen Kongressen vorgestellt.

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