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Mehr Herzkranke nach Karneval?

Kardiologische Klinik im EVK informiert anlässlich #PULSEDAY 2025 über Alkohol und Herzrhythmusstörungen


Düsseldorf, 19.02.2025 -
Am 1. März 2025 findet der #PULSEDAY statt, ein Aktionstag, der über Herzrhythmusstörungen aufklärt. Die Deutsche Herzstiftung initiiert zum zweiten Mal gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der European Heart Rhythm Association (EHRA) die Kampagne rund um Herz und Puls. Der #PULSEDAY ruft auf, auf das Herz zu achten, hinzuhören und sich über den Puls schlau zu machen. Denn wer den eigenen Puls misst, kann das Risiko von unbemerkten Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern senken.

Herzrhythmusstörungen sind in Deutschland neben der koronaren Herzkrankheit (KHK) und der Herzschwäche der häufigste Grund für eine Aufnahme ins Krankenhaus. 1,5 bis 2 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Vorhofflimmern, der häufigsten anhaltenden Rhythmusstörung. Und 20 bis 30 Prozent der ischämischen Schlaganfälle gehen auf Vorhofflimmern zurück.

Die Kardiologische Klinik im EVK Düsseldorf macht mit beim Aktionstag. Chefarzt Christian Meyer (Foto) und sein Team haben sich dieses Jahr auf den Zusammenhang von Alkohol und Herzrhythmusstörungen konzentriert.  Zumal der #PULSEDAY 2025 voll in die tollen Tage fällt. Am ersten März ist Karnevalssamstag.

Herz und Alkohol? Passt das zusammen? Immer wieder liest man, Rotwein schützte das Herz. Immer häufiger aber gibt es diese Meldungen: Alkohol schadet, der kleinste Schluck schon ist ungesund. Was stimmt denn nun? Und wie passen ein hoher Puls, Herzrhythmusstörungen und Alkohol zusammen? Und wie ist das eigentlich mit den tollen Tagen, an denen viel Alkohol fliest und die Notaufnahmen voll sind? Gibt es nach Karneval mehr Herzkranke in Düsseldorf? Das fragen wir den Herzexperten Prof. Christian Meyer, Chefarzt der Kardiologischen Klinik im EVK Düsseldorf.


Warum können große Events wie Karneval Herzprobleme verursachen?

Karneval, aber auch Sportevents oder andere große Feste sorgen für eine Überfüllung der Notaufnahmen: Dann melden sich gehäuft Patientinnen und Patienten mit Herzklopfen, -stolpern oder -rasen, weil der exzessive Alkohol-Konsum bei ihnen Vorhofflimmern oder andere Herzrhythmusstörungen ausgelöst hat. Das passiert sogar bei jungen Menschen, die eigentlich herzgesund sind. Wir sprechen dann vom sogenannten Holiday-Heart-Syndrom, einem Ereignis, das in etwa 90 Prozent der Fälle kurzzeitig auftritt und in der Regel nicht lebensbedrohlich ist. Bei einigen kann das Vorhofflimmern allerdings auch andauern. Oder im Laufe des Jahres noch einmal auftreten. Auf jeden Fall ist eine Abklärung notwendig.


Was ist das Holiday-Heart-Syndrom?

Man spricht vom Holiday-Heart-Syndrom, wenn ein Mensch an einem Tag exzessiv trinkt und feiert und dadurch sein Herzrhythmus aus dem Gleichgewicht gerät, sodass es zu Vorhofflimmern oder einer anderen Herzrhythmusstörung kommt. Die Betroffenen spüren dann ein Herzklopfen oder Herzstolpern. Kurzfristig kann es eine unangenehme Begleiterscheinung von zu viel Feiern sein – langfristig kann es aber zu ernsthaften Herzproblemen führen.


Was macht Alkohol mit dem Herz?

Was genau der Alkohol mit dem Herz macht, weiß man erst seit wenigen Jahren. Der Herzrhythmus wird durch elektrische Impulse gesteuert. Der Alkohol kann in bestimmten Bereichen des Herzens die Leitungseigenschaften verändern. Das macht das ganze Herz elektrisch ein bisschen instabiler und begünstigt die Entstehung von Vorhofflimmern oder anderen Herzrhythmusstörungen. Auch diese Erkenntnis ist neu: Sogar regelmäßig getrunkene kleine Mengen Alkohol können ein Vorhofflimmern begünstigen.


Wie gefährlich ist Vorhofflimmern?

Beim Vorhofflimmern ziehen sich die beiden Herzvorhöfe nicht mehr richtig zusammen, um das Blut zu pumpen – sie flimmern nur noch. Das unregelmäßige Schlagen führt zu gestörten Blutströmungen. Dadurch können sich Blutgerinnsel im Herz bilden, die mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült werden können, wo sie eine Arterie verstopfen (Embolie) und einen Schlaganfall auslösen können. Auch kann Vorhofflimmern z.B. zu einer Herzschwäche führen.


Welcher Herzerkrankungen kann Alkohol außerdem auslösen?

Die durch Alkohol ausgelöste Herzschwäche ist ein typisches Krankheitsbild. Wir wissen: Alkohol führt zu einer Vergrößerung des Herzens und zu einer Schwächung der Pumpleistung. Allerdings ist das noch nicht in allen Details verstanden. Wahrscheinlich kommen verschiedene Lebensstilfaktoren zusammen, die dann eine Herzschwäche begünstigen. Die Herzschwäche ist einer der häufigsten Gründe für stationäre Krankenhausaufenthalte.


Ab welcher Menge schadet Alkohol?

Wir werden von unseren Patientinnen und Patienten oft gefragt, ab welcher Menge Alkohol schadet. Die genaue Dosis kann ich leider nicht nennen, weil es dazu in der Literatur unterschiedliche Angaben gibt. Was man aber sagen kann: Die klassische Aufteilung zwischen Mann und Frau hat man mittlerweile verlassen. Stattdessen scheinen das Alter und die persönliche Veranlagung eine größere Rolle zu spielen. Zum Beispiel die Frage: Wie schnell baut der Körper den Alkohol ab? Wahrscheinlich ist man mit einem Glas pro Tag eher noch auf der sicheren Seite, ohne unmittelbar Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen. Die WHO sagt aber sehr deutlich: „Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge“.


Stimmt es, dass sich ein gemäßigter Alkoholkonsum vorteilhaft auf Blutfettwerte und die Fließeigenschaften des Blutes auswirkt?

Es gibt Hinweise darauf, dass es in sehr geringen Mengen durchaus positive Auswirkungen gibt – doch demgegenüber stehen eine ganze Reihe von negativen Faktoren. Aus gesundheitlichen Gründen würden wir niemandem dazu raten, Alkohol zu trinken, zumal – und das haben wir noch gar nicht erwähnt – mit einem regelmäßigen Alkoholgenuss oft auch ein insgesamt ungesunder Lebensstil einhergeht. Oft wird dann geraucht, man hat ein verändertes Appetitverhalten, nimmt vermehrt Kalorien auf. All das schadet der Herzgesundheit ebenfalls.


Warum hieß es dann bislang, ein moderater Konsum – zumindest von Rotwein – sei gesund?

Über viele Jahre wurde gepredigt, dass ein moderater Konsum von Rotwein gesund für das Herz sei.  Damals hat man in verschiedenen französischen Weinbauregionen trotz eines hohen Fett- und Nikotinkonsums eine deutlich niedrigere Herz-Kreislauf-Sterblichkeit beobachtet. Dieses Phänomen – das auch das Französische Paradox genannt wird – wurde von einigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit dem erhöhten Rotweinkonsum erklärt. Tatsächlich enthält Rotwein beispielsweise Polyphenole, die möglicherweise einen positiven Effekt haben“, trotzdem geht man davon aus, dass nicht der Wein, sondern vermutlich eher der Gesamtlebensstil in diesen Regionen herzschützend wirkt: Die Menschen haben vielleicht weniger Stress und ernähren sich besser. Auch die Umstände und die soziale Unterstützung spielen eine Rolle.


Was mache ich bei Feierlichkeiten: Mit Alkohol anstoßen oder nicht?

Ich würde unbedingt vor einem exzessiven Alkoholkonsum abraten. Vor allem die Kombination aus Alkohol, Rauchen und womöglich noch Energy-Drinks bedeutet eine enorme Belastung für das Herz. Zudem rate ich, vorab die Beipackzettel der regelmäßig eingenommenen Medikamente anzuschauen oder sich mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen. Sonst kann das Medikament zusammen mit dem Alkohol zu einem toxischen Cocktail werden, Wirkungen können sich potenzieren. Und das kann dann auch schwierig für die Leber werden, das alles zu verarbeiten. Ich rate meinen Patientinnen und Patienten – abhängig von ihrer individuellen Vorgeschichte: „Genießen Sie mal ein Glas Alkohol, aber übertreiben Sie es nicht!“. Insgesamt aber sehe ich die jüngste Entwicklung, Alkohol zu hinterfragen und deutlich mehr darauf zu verzichten als sehr positiv. Für das Herz, aber auch für die gesamte Gesundheit und Fitness.

 

Infos zum #PULSEDAY 2025 gibt es hier:
herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/pulseday-ankuendigung-2025

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